Alles was meine Augen mir zu sehen geben, ist ein Bild. Nüchtern betrachtet ist das Gesehene nichts anderes als visuelle Information, aber jede Information erzeugt Wahrnehmungen auf der Basis von Erfahrung und Interpretation. Was mir diese Wahrnehmungen auch bedeuten mögen, sie sind immer mit meinen Emotionen verknüpft über die ich mich mit der Welt verbinde.

 

Mein Lehrer Klaus Fußmann sagte: die sichtbare Welt ist reich genug, man muss nichts erfinden. Mit diesem Satz kann ich mich heute mehr denn je identifizieren, gerade weil ich in den 4 Jahrzehnten meiner künstlerischen Tätigkeit auch andere Gestaltungsmöglichkeiten ausprobiert habe. Die Malerei ist das Medium, mit dem ich meine Wahrnehmungen und Emotionen am besten zu spiegeln vermag. Auf dieser Basis finde ich den Raum und die Zeit mich an Inhalte, Formen und Farben heranzutasten.

 

Ganz am Anfang meiner künstlerischen Reise standen gegenständliche Darstellungen und insbesondere die Themen der Interieurs und Stadtansichten, mit denen ich mich bereits während meines Studiums malerisch auseinander gesetzt habe, faszinieren mich immer noch.

 

Diese Bilder haben mit der Welt zu tun, die wir als Menschen selbst gestaltet haben, die aber auch geworden ist und ihr Eigenleben führt. Etwas von unserer Einstellung zum Leben und zur Gesellschaft wird sichtbar in dem, was visuell bleibt und erzählt uns unsere Geschichte. Dies ist es, was mich antreibt mir auf der Basis von Einfühlungsvermögen und malerischen Mitteln ein bildhaftes Konzentrat zu schaffen, um die Welt in der ich lebe besser zu verstehen und mich intensiver mit ihr zu verbinden. 

 

Was ich des weiteren schätze, ist die Handwerklichkeit und Unmittelbarkeit der Malerei und Zeichnung. Beides bietet mir eine gewisse Unabhängigkeit von technischen und räumlichen Bedingungen. Ein Blatt Papier und ein Stift, ein paar Tuben Farbe und Karton oder Leinwand sind unter Umständen auch flexibel handhabbar.

 

Und es gibt noch etwas, das mich fasziniert: die Erkundung der Möglichkeiten des Mediums selbst. In ihm eröffnet sich ein Spiel unerschöpflicher Variationen und Kombinationen. Welche Farbe wähle ich? Ölfarbe, Gouache, Acryl, Eitempera? Welche Stifte verwende ich? Kreide, Kohle, Graphit …, jedes Mittel besitzt seine eigene Ausdruckskraft, die eine thematische Entsprechung finden kann. 

 

Was also ist Malerei? Malerei ist eine Haltung!

 

Carola Dewor, Februar 2021